Interdisziplinärer Ansatz mit Beispielfunktion

Das Herz des technologisch-fortschrittlichen Riobamba schlägt seit einigen Jahren an der hier ansässige, technische Hochschule.

In Riobamba, im geografischen Herzen Ecuadors, investiert die polytechnische Universität „ESPOCH“ in die technisch vernetzte Zukunft. Mit einem neuen didaktischen Konzept geht die Hochschule Pionierwege in der Bildung. Der mit den neuen Laboren eingeschlagene Weg taugt als gutes Beispiel für ganz Lateinamerika.

Ein Weg fortschrittlicher Technologieausbildung

Auf knapp 2800 Metern liegt Riobamba in einem Becken der Anden. Das Panorama ist beeindruckend. Gleich sechs, teilweise aktive Vulkane umringen die Stadt. Die Landwirtschaft in den umliegenden Regionen ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, denn über den Verkehrsknotenpunkt Riobamba wird halb Ecuador mit Lebensmitteln versorgt. Außerdem glänzt die Andenstadt durch gute Infrastruktur und das Sicherheitsniveau gehört zu den besten des Landes.

Dass Riobamba aber auch eine, technologisch-fortschrittliche Facette besitzt, beweist seit einigen Jahren die hier ansässige, technische Hochschule. Die Escuela Superior Politécnica de Chimborazo (ESPOCH) investiert in moderne Ausstattung der Firma Lucas-Nülle. Gleichzeitig überdenkt die Universität gerade auch didaktische Grundprinzipien – und beweist dabei Weitsicht.

Ein Strukturwandel mit Blick auf die vernetzte Zukunft

Unter der Leitung von Ing. PH. D. Byron Ernesto Vaca Barahona setzt die ESPOCH verstärkt auf ein praxisorientiertes und interdisziplinäres Training. Dafür hat die Hochschule mehrere hochmoderne Labore in den Bereichen Industrie 4.0, Kfz-Technik und Erneuerbare Energien etabliert. An den neuen, didaktisch erprobten Ausstattungen werden die Studenten ideal auf den Strukturwandel in einer immer stärker vernetzten Welt vorbereitet.Dafür hat Rektor (Rectorado) Vaca Baharona gemeinsam mit den Dekanen (Decano) der einzelnen Institute einen visionären Wandel angestoßen. Analog zur Technik vernetzten sich in Riobamba zukünftig auch vermehrt Studenten untereinander. Dafür überschreitet die ESPOCH in den neuen Laboren auch die Grenzen der einzelnen Institute. Studenten mehrerer Fachrichtungen lernen hier gemeinsam. Nicht zuletzt verstärkt die neue Technik auch den praktischen Fokus der Lehre. Im Hands-on-Training betrachten Studenten theoretische Inhalte direkt im Kontext realer Szenarien.

Interdisziplinärer Ansatz am Beispiel der Industrie 4.0

Wie dieser multidisziplinäre und institutsübergreifenden Ansatz in der Praxis funktioniert zeigt sich im von Lucas-Nülle ausgestatteten Industrie 4.0 Labor. Die hier didaktisch aufbereiteten Smart Factory umfasst Ausstattungen zu den Themen Automatisierung, Robotik und die Vernetzung über ein CPS. Dank des integrierte ERP-Systems ist das Labor aber auch für Studenten ohne technischen Hintergrund interessant. Solche ERP-Software vernetzt in der Industrie den gesamten Produktlebenszyklus von der Bestellung, über die Fertigung und die Auslieferung hinaus bis hin zur Reklamation. Damit kommt jeder Bereich einer Firma mit diesem System in Kontakt.

Genau aus diesem Grund hat die ESPOCH das Industrie-4.0-Labor auch für Studenten zugänglich gemacht, die nicht dem hier eigentlich zuständigen Institut für Informations- und Elektrotechnik angehören. Studenten aus verschiedenen Bereichen von der Betriebswirtschaft über die Elektrotechnik bis hin zur Regelungstechnik können hier gemeinsam an Projekten arbeiten. Im Labor wird die vernetzte Fabrik für alle Anwender von einer theoretischen Idee zu einem real bedienbaren Objekt.

Starker Fokus auf der Fusion von Mechanik und Elektrotechnik

Nahezu dasselbe Konzept hat die ESPOCH im neuen Kfz-Technik-Labor des Instituts für Mechanik und Kfz-Technik (Faculdad de Mecánica) und im Labor für Erneuerbare Energien des naturwissenschaftlichen Instituts umgesetzt. Am Beispiel der Kfz-Technik wird außerdem ein weiterer Vorteil des neuen Trainingskonzeptes ersichtlich. Denn wie auch in der Smart Factory verschmelzen die Bereiche Mechanik und Elektrotechnik im Kraftfahrzeug immer stärker. Die elektronische Handbremse ist nur ein Beispiel dafür, in wie vielen Bereichen die Elektronik den direkten, mechanischen Effekt mittlerweile ersetzt hat.

Speziell die elektrotechnischen Themen lassen sich in den Laboren besser veranschaulichen und unterrichten. Da der Blick der ESPOCH klar in die Zukunft gerichtet ist, liegt ein spezieller Fokus des Labors auf dem Bereich Elektromobilität. Auch hier ist man am Puls der Zeit und hat erkannt, dass bei der Arbeit mit Hochvolttechnik die sichere Ausbildung nur im Laborumfeld möglich ist.

Internationale Qualifizierung ist der nächste Schritt

Ein weiterer Baustein auf dem fortschrittlichen Weg der Universität ist die Etablierung der ESPOCH als erstes IMI-zertifiziertes Bildungsinstitut in Lateinamerika. Hierfür durchläuft die Universität gerade einen speziellen Prozess des britischen Institute of the Motor Industry (IMI). Dessen Ziel ist es, den Studenten Qualifikationen mit auf den Weg zu geben, die Sie am internationalen Bildungsmarkt besonders auszeichnen. Die Liste der Maßnahmen ließe sich fortsetzen. So erhalten auch die Trainer der ESPOCH ausführliche Schulungen, um bestmöglich in den neuen Laboren zu unterrichten. Außerdem umfasst das didaktische Konzept auch eine multilinguale Facette. In den Blended Learning Kursen sehen die Studenten die Inhalte – wenn sie wollen – neben Spanisch zeitgleich auf Englisch, Deutsch oder Portugiesisch. Es ist die breite Ausrichtung des neuen, fortschrittlichen Weges, durch welchen sich die ESPOCH auszeichnet. In Lateinamerika gibt es nur wenige Einrichtungen, die sich mit dieser Initiative vergleichen können.

- 17.12.2019