Eigenständig Lernen ist Trend

Rückblick: Im November diskutierten wir mit Ihnen auf der Ausbildungsleitertagung über Lernen 4.0

„Wir sollten das Thema ‚digital‘ gelassen nehmen“

Dafür warb Hubert Romer, Geschäftsführer des WorldSkills Germany e.V., zum Auftakt der 5. LN-Ausbildungsleitertagung im November in Minden. In verschiedener Form sollte jeder der darauf folgenden sechs Referenten betonen, dass die Digitalisierung den Frontalunterricht – und erst recht den Ausbilder – nicht komplett obsolet machen. Und doch blieb eine Einsicht wohl allen Tagungsteilnehmern im Gedächtnis: Vernetztes Lernen wird die Art wie wir Lehren signifikant verändern.

Zwei Praxisberichte am ersten Tag machen diesen Eindruck besonders deutlich

„Gute Technik ist ein entscheidender Baustein, aber kein Selbstzweck. Wir müssen vielmehr das Lernen verändern“, unterstrich Schulleiter Carsten Huge. An seiner Schule in Gehrden hat das klassische Buch schon seit 2009 komplett ausgedient. „Der Trend geht weg vom Konsum des Unterrichts durch die Schüler“, erklärte Huge, „Technik hilft den Schülern dabei, den Lernweg eigenständig zu beschreiten.“ Ganz ähnlich klang das bei Volker Löbe vom VW Nutzfahrzeuge Campus Digitalisierung: „Bei uns ist der Ausbilder vor allem als digitaler Lerngestalter gefragt. Seine neue Hauptaufgabe besteht darin, Lernwege aufzuzeigen und seltener einfach nur darin, zu unterweisen.“ Es sind Schlagworte wie „Erfahrungslernen“ und „lernende Organisation“, mit denen er diese Entwicklung zusammenfasst.

Die Digitalisierung der Berufsbildung fängt mit der Anschaffung neuer Technik an

Dass neue Technik der notwendige Anfang, aber lange nicht das Ende der Digitalisierung ist, betonte  WorldSkills Germany Geschäftsführer Romer in seinen Ausführungen: „Wenn wir weiter Toptalente fördern wollen, müssen wir auch das veränderte Werteverständnis junger Menschen verstehen“, fasste er seine Erfahrungen aus den WorldSkills Wettbewerben zusammen und forderte die Ausbildungsleiter auf: „Digital ist nicht der Verlust von Menschlichkeit, aber neue Werte verändern auch das Lernen. Das gilt es, zu akzeptieren.“ Streitbare Vorträge, in deren Anschluss Moderator Andreas Pieper vom BIBB lebendige Diskussionen mit dem engagierten Plenum leiten durfte. Austausch und Vernetzung – zentrale Motive der Tagung – setzten sich in den Pausen und auch beim abendlichen Event am Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica fort.

Die Berufsausbildung bewegt sich und die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten

Wir sind in der Lage, die Methoden des Unterrichts zum großen Vorteil der Auszubildenden verändern – so könnte ein Fazit der zweitägigen Veranstaltung lauten. „Ich für meinen Teil gehe jedenfalls mit Schwung aus dieser Veranstaltung heraus“, unterstrich Peter Hertl, Leiter der gewerblichen Ausbildung bei EagleBurgmann in Oberbayern, am Ende der Veranstaltung. Wohin die Digitalisierung führt, blieb in Minden natürlich offen. Und so wird das Thema auch auf der 6. Ausgabe der LN-Ausbildungsleitertagung am 05. und 06. November 2019 in Regensburg wieder auf der Agenda stehen. Zu Gast bei der Bayernwerk Netz GmbH steht in diesem Jahr der Auszubildenden besonders im Fokus. Außerdem erwartet die Teilnehmer ein neuer Workshopinhalt.

 

 

“Nicht nur die Vorträge der Referenten, sondern auch der Austausch mit anderen Ausbildern geben mir neue Impulse für meine Arbeit. Ich bin seit der ersten Tagung dabei und gehe jedes Jahr wieder mit neuen Ideen hier heraus. Natürlich kann man nicht alles umsetzen, aber oft bringen auch kleine Änderungen schon eine Verbesserung.”

Franz Grillmeier, Leiter der technischen Ausbildung bei der Witron Logistik + Informatik GmbH
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- 22.03.2019