Regelungstechnik und Industrie 4.0: Ein Interview

Produktmanager Ralf Linnertz über Veränderungen in Ausbildung und Studium


Herr Linnertz, welche Rolle spielt die Regelungstechnik für die Industrie 4.0?

„Mit der Industrie 4.0 nimmt der Einsatz von Sensorik und Aktorik weiter und stark zu. Deren Steuerung und Regelung übernehmen SPSen und digitale Regler. Die Regelalgorithmen dahinter einzusetzen und zu optimieren ist kompliziert. Es bedeutet vor allem viel Mathematik. Daher wirkt Regelungstechnik komplex und schwer greifbar.“

Welchen Wandel sehen Sie in der Berufsausbildung?

„Der Status hat sich verändert. Durch die Erweiterung der Ausbildungsinhalte ist der Stellenwert der Regelungstechnik gesunken. Regelungstechnik hat heute kein eigeneständiges Lernfeld, sondern wird quasi nebenbei vermittelt. Sie wird dadurch aber nicht weniger anspruchsvoll. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass das problematisch ist. Eine erfolgreiche Vermittlung setzt ausgereift e Methodik und Didaktik voraus. Und genau da setzt unser UniTrain Regelungstechnik-Board an.“

Können Sie das näher ausführen? Was genau leistet das UniTrain Regelungstechnik-Board?

„Unsere Grundidee war es, die Themen der Regelungstechnik fühlbarer und erfahrbarer zu machen. Das UniTrain Board basiert auf realen anschaulichen Regelstrecken. Diese visualisieren die Auswirkungen von Regelungstechnik im Berufsalltag. Der Auszubildende hat dafür beispielhaft einen Antrieb mit realem Motor direkt vor Augen. Was passiert nun, wenn ich den Regler richtig oder falsch einstelle? Dies hilft, zu begreifen wie die Regelungstechnik Systeme optimieren kann und so u.a. Produktionsprozesse verbessert oder Ressourcen spart. Und den Lehrern und Ausbildern hilft es, die wenige Zeit, die Ihnen für die Regelungstechnik bleibt, effektiv zu nutzen. So beantwortet das UniTrain System die speziellen Anforderungen der Berufsausbildung.“


Die regelungstechnischen Trainingssysteme von Lucas-Nülle richten sich auch an Hochschulen. Wie ist hier der Lucas-Nülle Ansatz?

„Ihnen bieten unsere Trainingssysteme für die angewandte Regelungstechnik viele Möglichkeiten. Durch die Erweiterung mittels verschiedener Applikationen kann es bis ins Masterstudium eingesetzt werden. Im Gegensatz zum UniTrain System arbeiten die Studenten hier mit komplexeren Strecken, die mehr Genauigkeit und Präzision erfordern. Der Stellenwert der Mathematik und der Wiederholbarkeit der
Prozesse steigt. Inhaltlich ermöglichen die Systeme die Auslegung und Optimierung der Regelungen nach klassischen und modernen Verfahren. Unsere Applikationen machen schließlich, salopp gesagt, richtig ernst. Die Studierenden können nun eigene Regelstrukturen und Algorithmen in Matlab Simulink® entwickeln. Über eine spezielle LN Toolbox lassen sich diese dann in die Hardware übertragen und in
Echtzeit an realen Regelstrecken überprüfen. Da kommt auch bei geübten Studenten keine Langeweile auf.“

 

Ralf Linnertz - Produktmanager